Sirka Illner –  Autorin psychologischer Romane

Ich habe ziemlich viele Fragen. Eigentlich meistens dieselbe: Warum?

Warum verändert sich ein Mensch, ohne es selbst zu bemerken?
Warum sehen andere manchmal früher, dass etwas nicht stimmt?
Warum bleiben wir bei Menschen, die uns nicht guttun?
Warum verletzen Menschen ausgerechnet diejenigen, die ihnen nahestehen?
Warum schweigen wir über Dinge, die uns jeden Tag beschäftigen?

Mich interessiert nicht nur, was ein Mensch tut. Mich interessiert, warum er es tut. Was vorher passiert ist. Was dabei in ihm vorgeht. Was er sich selbst erzählt. Und warum zwei Menschen dieselbe Situation erleben können und trotzdem etwas völlig anderes dabei fühlen.

Bei manchen Fragen lande ich bei Depressionen, toxischen Beziehungen, Einsamkeit, Scham oder Verlust. Bei anderen frage ich mich, warum wir acht Stunden am Tag arbeiten müssen oder warum ein Handschuh eigentlich Handschuh heißt und nicht Fingerjacke. Mein Kopf macht da keinen großen Unterschied. Vielleicht schreibe ich genau deshalb psychologische Romane.

Ich möchte Menschen nicht erklären. Ich möchte ihnen so lange folgen, bis ich ein bisschen besser verstehe, warum sie fühlen, denken und handeln, wie sie es tun. Dabei interessieren mich besonders die kleinen Veränderungen. Ein Blick, der eine Sekunde zu lange dauert. Eine Nachricht, die immer wieder gelesen wird. Eine Antwort, die man tippt und doch nicht abschickt. Der Moment, in dem jemand anfängt, sich selbst nicht mehr zu vertrauen – lange bevor er dafür einen Namen hat.

Meine Geschichten geben deshalb nicht auf jede Frage eine Antwort. Das sollen sie auch nicht. Aber vielleicht sorgen sie dafür, dass man eine Figur irgendwann ansieht und denkt: Jetzt verstehe ich, warum.